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An- und Ausweiden im Frühjahr


Muss das immer ein Problem sein?

Autor: Anja Beifuss
Anja Beifuss Gesundheitscoach bei HBD Vital®
· 4 Min. Lesedauer
Ein schwarzes Pferd mit langer, wehender Mähne galoppiert über eine grüne Wiese

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Endlich, die Sonne scheint wieder, der Winter war sehr lang und viel zu dunkel. Die Pferde und die Reiter drängt es nach draußen. Die Pferde sind gierig nach dem frischen Gras. Soll ich mein Pferd schon grasen lassen? Wie lange, zu welcher Tageszeit? Wann endgültig ausweiden, wie lange soll das Pferd dann täglich auf die Weide? Diese Fragen treiben die Pferdebesitzer jedes Jahr neu um, jedes Jahr entstehen leider aber auch die gleichen Probleme.

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Typische Probleme beim Anweiden im Frühjahr

Die Pferde sind aufgebläht, haben Bauchweh, manchmal Koliken oder schlimmer noch Hufrehe. Haut- und Lungenprobleme nehmen wieder zu. Hierbei lassen sich viele Probleme weitgehend vermeiden, wenn das Anweiden richtig gemacht wird. 

Einige grundlegende Betrachtungen vorneweg: 

Grundsätzlich ist auch unser Hauspferd ein Urtier, das daher auch weitgehend Urbedürfnisse hinsichtlich Bewegung und Ernährung hat. Der Mensch züchtet das Pferd aber erst seit nunmehr rund 6000 Jahren, das Pferd lebt allerdings bereits seit 60 Millionen Jahren auf unserer Erde und ist der Evolution unterworfen. Das Pferd ist daher ein reines Bewegungstier und ein reiner Magergrasdauerfresser (am besten nur zuckerarmes, variantenreiches Magergras). Unsere Wiesen sind aber seitens der Gräserzusammensetzung eher für Kühe gedacht, sie beinhalten praktisch nur noch sog. Hochertragsgräser. Kühe haben ein großes Bedürfnis nach Zucker und Eiweiß und nur geringe Ansprüche an Vielfalt im Gras. Das Pferd nicht. Das Pferd verträgt Zucker im Gras (Fruktan) nur sehr schlecht in großen Mengen. 

Im Frühjahr haben wir aber aufgrund der starken Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht und der starken Sonneneinstrahlung bei gleichzeitig kalten Umgebungstemperaturen sehr viel Fruktan im Gras. Außerdem produzieren die o.g. Hochertragsgräser grundsätzlich mehr Zucker als Magergräser. Außerdem haben wir aufgrund des Klimawandels generell auf allen Weideflächen durch den Trockenstress mehr Fruktane im Gras, inzwischen auch im Hochsommer.


Warum frisches Weidegras für Pferde riskant sein kann

Ich würde mir also bei „fetten“ - also zuckerreichen - Weiden generell überlegen, ob man die Anweidezeit nicht besser weiter in den Frühsommer verschiebt, also ca. Anfang Juni, wenn man stabilere Temperaturverhältnisse hat, so dass das Gras nur geringe Fruktanwerte aufweist. 

Die Gräser-Zusammensetzung kann der Pferdebesitzer in den seltensten Fällen beeinflussen, aber die Anweidezeit durchaus. 

Es ist immer viel sicherer, die Pferde später als üblich anzugrasen und dann auszuweiden. Das gilt für alle Pferde, aber besonders für solche, die unter diversen Stoffwechselproblemen leiden, z.B. Lungenprobleme, Allergien, Ekzem, Darmprobleme wie Kotwasser, KPU. Besonders stoffwechselkranke Pferde haben ein Problem mit den hohen Zuckerwerten im Gras, da diesen Erkrankungen letztlich als Ursache immer ein Darmproblem (eine Dysbiose, also eine Fehlbesiedelung des Dickdarmes) zugrunde liegt. Die Keime, die die Fehlbesiedelung im Darm bilden, ernähren sich ausnahmslos von Zucker (und Getreidestärke), daher ist es immens wichtig, genau hier das Pferd in der Mengenaufnahme zu begrenzen. Auch wenn die Symptomatik der jeweiligen Erkrankung derzeit möglicherweise nur noch gering ausgeprägt ist. Durch zu viel Zucker wird es zwangsläufig immer zu einem erneuten Aufflammen der Probleme kommen.


Richtig anweiden: Zeitpunkt, Dauer und Fütterung

Weiden Sie Ihre Pferde deutlich später aus, erst in der 2. Maihälfte angrasen und bis Anfang/ Mitte Juni länger auf die Weide lassen, langsames Angrasen über 2 - 4 Wochen mit steigender Dauer und vor allem: Begrenzen Sie die Weidezeit auf wenige Stunden, idealerweise am Nachmittag. 

Es ist nicht gesund, unser Urtier Pferd 24 h auf eine „fette“ Weide zu stellen, da sind die Probleme vorprogrammiert.

Die Pferde sind außerdem nicht leistungsfähig, weil sie durch das Gras enorm viel Wasser im Verdauungstrakt haben, weiterhin führt der viele Zucker im Gras zu einer Veränderung des pH-Wertes im Dickdarm und damit zu einer Veränderung der Keimarten, die im Darm siedeln. Das führt mittel- bis langfristig immer in ein gesundheitliches Problem. Dieses ist immer zeitaufwendig, das Pferd ist mehr oder weniger (chronisch) krank und es ist immer teuer, diese Störung wieder zu beheben. 

Lassen Sie sich Zeit mit dem Anweiden. Als Orientierung kann die Zeit, in der Pferdeheu geerntet wird, dienen. Erst dann sind die Zuckergehalte niedrig und die Rohfaserwerte hoch. Das ist immens wichtig für das Dickdarmmikrobiom. Diese gesunden Darmkeime ernähren sich von Rohfaser aus dem Raufutter. Früh im Jahr, wenn das Gras in die Höhe schießt und sehr grün ist, enthält dieses nur Zucker, aber praktisch keine Rohfaser. Das ist Futter für Schadkeime, die sich dann explosionsartig vermehren werden, zuungunsten der gesunden Darmkeime, die hungern und in der Folge weniger werden. 

Eine Dysbiose mit allen Folgen für die Ganzkörpergesundheit entsteht!!!

Herzlichst

Ihre Anja Beifuss 
Dipl.-Ing. (FH)

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