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Der Darm (das Mikrobiom) als Ursprung der meisten Stoffwechselprobleme beim Pferd?


Stichwort:Silent Inflammation

Autor: Anja Beifuss
Anja Beifuss Gesundheitscoach bei HBD Vital®
· 6 Min. Lesedauer
Zwei Pferde grasen nebeneinander auf einer Wiese mit blühendem Löwenzahn

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Stoffwechselprobleme greifen leider nicht nur beim Pferd immer mehr um sich. Direkte Darmprobleme wie Kotwasser, Dauerdurchfall, Blähungen, aber leider auch chronische Lungenprobleme, Allergien aller Art, Hautprobleme wie Juckreiz, Sarkoide oder Mauke und natürlich auch nervliche Auffälligkeiten wie Headshaking und Shivering nehmen immer mehr zu und oder betreffen inzwischen Rassen, die bis vor einiger Zeit nicht mit diesen Erkrankungen aufgefallen sind, z.B. Ekzem beim Warmblüter. Auch chronisch schlechte Leberwerte fallen in diesen Themenkreis. 

Beim Menschen gilt inzwischen durch unzählige Studien als gesichert, dass ca. 80 - 85 % aller chronischen Erkrankungen ursächlich auf ein verändertes, fehlbesiedeltes Darmmikrobiom zurückzuführen sind. Beim Pferd ist es möglicherweise sehr ähnlich, auch wenn die Forschung an dieser Stelle kaum stattgefunden hat. 

Das Mikrobiom, bzw. dessen Zusammensetzung als möglicher Ursprung der meisten chronischen Probleme ist daher auch kaum in der allgemeinen Wahrnehmung der Tierärzte und Pferdebesitzer präsent. Beim Menschen ist inzwischen gesichert, dass es die sogenannte Darm-Lungen-Achse, Darm-Hautachse, Darm-Leberachse, Darm-Hirnachse, etc. gibt. 

 Nach 25-jähriger Erfahrung mit überwiegend aus-therapierten oder x-fach antherapierten Pferden sind wir der Ansicht, dass das Pferd wahrscheinlich sehr ähnlich organisiert ist. Ein Mikrobiom, also die Gesamtheit aller gesunden Darmkeime in einem Dickdarm, ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck. Dennoch gibt es innerhalb einer Spezies immer eine sehr ähnliche Zusammensetzung der Mikrobenarten, abhängig von der jeweiligen Ernährung. 

Ein Organismus ist immer dann besonders gesund, wenn möglichst viele Darmkeime in seinem Dickdarm leben und möglichst viele verschiedene Arten. Also maximale Anzahl und maximale Artenvielfalt ist wesentlich. Auch die Immunabwehr ist nur dann maximal, denn 80 % aller Immunzellen sitzen im Dickdarm auf den Dickdarmschleimhäuten. Die Immunzentrale organisiert also vom Dickdarm ausgehend alle Immunreaktionen im ganzen Körper.

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Ursachen: Wie eine Dysbiose im Darm entsteht

Wenn jetzt Einflüsse von außen die Anzahl der Dickdarm-mikroben und / oder deren Zusammensetzung reduzieren, bzw. verändern, bekommt der Organismus Probleme. 

Folgenden Einflüsse sind hier zu nennen: 

  • Einsatz von Antibiotika
  • Magengeschwüre, bzw. die folgende Magenbehandlung: dies verändert den pH-Wert im Dickdarm und damit die Lebensbedingungen für das gesunde Mikrobiom 
  • Einsatz bestimmter Medikamente wie Entzündungshemmer, Sedationen, Narkosen, Wurmmittel – Limitierung von Raufutter (Heu), nötig sind mind. 2 kg pro 100 kg Lebendgewicht und Tag 
  • Unregelmäßige Raufuttergaben, Fresspausen über 2 h 
  • Qualitativ zweifelhaftes Raufutter 
  • Verkeimtes Tränkwasser, z.B. aus Brunnen, Wasserwagen, -fässern, aber auch aus nicht regelmäßig gewarteten (getesteten und ggfalls. entkeimten) Trinkwasserleitungen 
  • Dauerschmerzen (diese verursachen Stress, dieser wiederum erhöht die Magensäureproduktion) 

Wenn durch diese äußeren Einflüsse das gesunde Mikrobiom reduziert wird, können sich Fremdkeime ansiedeln, die regelmäßig lebend den Dickdarm erreichen müssen, um als Trainingspartner für die Immunzentrale zu dienen. Diese Fremdkeime werden sich im Dickdarm dann vermehren und dauerhaft etablieren zu Ungunsten der gesunden Darmkeime. Eine klassische Dysbiose kann entstehen.

Silent Inflammation und systemische Folgen im Körper

In dieser Situation wird die gesunde Verdauung nicht mehr normal ablaufen können, da zu wenig gesunde, verdauende Bakterien im Darm leben. Bei dieser Art der Verdauung werden ganz grundsätzlich zu viele Abfall- und Giftstoffe gebildet, die permanent die Dickdarmschleimhaut reizen. Wenn dieser Zustand nicht rasch behoben wird, entwickelt sich aus dieser Reizung bald eine chronisch schleichende Entzündung, die sog. Silent Inflammation. 

Das ist eine Entzündung, die meist nicht im Blutbild erkennbar ist, dort bildet man nur Akutzustände sicher ab. Diese Silent Inflammation erhöht, ähnlich wie beim Menschen, die Entzündungsneigung im ganzen Organismus. Dadurch könnten schwelende, entzündliche Prozesse getriggert werden, wie z.B. Arthrosen oder schlecht heilende Wunden oder überhaupt erstmalig auftauchen. 

Aus dieser Silent Inflammation kann ein Leaky Gut entstehen, ein undichter Darm. Die Barrierefunktion der größten aller Körperoberflächen, der Dickdarmschleimhaut, wird unterwandert. Durch diesen undichten Darm wandern, vielfach nachgewiesen beim Menschen, große Eiweißbausteine ins Blut, und zwar in einer Molekülgröße, wie sie der Körper bei intakter Darmschleimhautbarriere gar nicht zulassen würde. Die Immunzentrale erkennt dann aber aufgrund der Übergröße nicht mehr gesundes Nahrungseiweiß, das man überall im Körper benötigt, sondern nur noch Fremdeiweiß, das es zu bekämpfen gilt. So kommt es vermutlich zu einer permanenten Überreaktion der Immunzentrale, diese ist dauerhaft hyperreagibel. Das kann Konsequenzen für alle anderen Immunzellen im Körper haben, die dann natürlich auch ständig überreagieren werden.

Auf diesem Wege könnten Allergien der Haut oder Lunge entstehen und selbstverständlich Nahrungsmittel-/ Futtermittelunverträglichkeiten. Natürlich muss man die Haut und Lunge im Falle einer Allergie vom Tierarzt behandeln lassen, man muss sich aber klarmachen, dass diese Körperoberflächen, in denen die jeweilige Erkrankung sichtbar wird, nur die Projektionsfläche sind. 

Die Ursache der Erkrankung sitzt vermutlich, ähnlich wie beim Menschen, im Dickdarm. Auch könnten durch diesen undichten Darm massenhaft Giftstoffe weitgehend ungefiltert ins Blut wandern und die Entgiftungsorgane Leber und Niere dauerhaft belasten. Hieraus könnten dann chronische Mauke, chronische Hufrehe, chronisch schlechte Leberwerte und durch Toxine im Bindegewebe aufgeschwemmte Pferde, die allzu oft dann als EMS-Pferd gelten, entstehen.

Diagnostik und individuelle Darmsanierung

Darmfehlbesiedelungen äußern sich auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Oft gibt auch nur die Vorgeschichte des Pferdes Auskunft, wo die Ursache des Problems zu suchen ist. Um den Verdacht therapeutisch abzusichern, empfehle ich unbedingt eine mikrobiologische Untersuchung des Kots des Pferdes. 

Da aber am Mikrobiom des Pferdes kaum bis nicht geforscht wurde und wird, gibt es bisher keine bis kaum Forschungsergebnisse, die z.B. Verwendung in Laboren oder der Tierarztausbildung an den Universitäten fi¬den könnten. 

 Wie nun kann der Pferdebesitzer im Verdachtsfalle einer Dysbiose vorgehen? 

Am Anfang sollte eine Kotprobe gemacht werden. Der Auswahl des untersuchenden Labors kommt allerdings entscheidende Bedeutung zu. Um sicher und zielführend einen Darm zu sanieren, muss die Art der Dysbiose genau bekannt sein. 

Wenn das Problem im Darm durch die Kotprobe genau beschrieben ist, kann man einen gezielten Maßnahmenkatalog entwickeln. Dieser enthält immer eine Futterumstellung: Getreidefrei, frei von Zuckerzusätzen, kräuterfrei, mineralstoffreich. 

Der Darm sollte in der Folge saniert werden. Evtl. macht auch nach der Darmsanierung eine zusätzliche Entgiftung Sinn. Auf welche Weise, ist abhängig vom derzeitigen Zustand des Pferdes und dem Kotprobenergebnis. Es gibt nicht die Darmsanierung, die Probleme im Mikrobiom sind vielfältig und immer individuell. 

Wir bei HBD Vital® befassen uns seit 20 Jahren intensiv mit diesen Fragestellungen. Nehmen Sie gerne Kontakt auf und lassen sich unverbindlich und kostenfrei in einem Kurzgespräch beraten, um sich einen Überblick über die Situation bei Ihrem Pferd zu verschaffen. 

Wir betreuen und beraten Sie bei allen Fragestellungen rund um Ihr darmkrankes Tier. Ursachenbeseitigung ist unser Ziel. Nicht Symptomkosmetik.

Herzlichst

Ihre Anja Beifuss

Dipl. -Ing. (FH)

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