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Allergien beim Pferd


Eine Allergie beginnt immer im Darm

Anja Beifuss - Gesundheitscoach bei HBD Vital
Anja Beifuss Gesundheitscoach bei HBD Vital®
· 11 Min. Lesedauer
Nahaufnahme eines falbfarbenen Pferdes beim Grasen, der Blick geht von unten über das Gras zum Kopf

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Was ist eine Allergie und wie äußert sie sich bei Pferden?

Eine dramatisch steigende Anzahl Menschen und inzwischen auch Pferde/Tiere sehen sich, hauptsächlich in den westlichen Industrieländern, von Allergien betroffen. Eine Allergie ist eine übersteigerte Reaktion des Immunsystems, die Abwehrzellen des Organismus reagieren zu stark auf körperfremde Stoffe (Allergene), manchmal auch auf körpereigene Stoffe (Autoimmunreaktion). Bei Pferden können sich Allergien in erster Linie wie folgt äußern:

  1. Über die Haut als Ekzem oder (schubweise) Nesselsucht (Quaddelbildung in bestimmten Körperregionen oder sogar am ganzen Körper).
  2. Über die Lunge als Dauerhusten/Reizhusten mit und ohne Schleimbildung, oder noch schlimmer, als anfallartige Atemnot.
  3. Über den Darm, z.B. bei Futterallergien als Durchfall, Krämpfe, meist auch mit massiven Blähungen, gelegentlich entwickelt sich als Folge dieser Unverträglichkeiten auch eine erhöhte Kolikanfälligkeit.


Gängige Behandlungsmethoden bei Allergien und ihre Grenzen

Allergien steht man in aller Regel bisher ziemlich hilflos gegenüber. Üblicherweise wird im Notfall vom Tierarzt natürlich Cortison gespritzt, um die akuten Symptome wie starken Juckreiz oder Quaddelbildung sowie Atemnot einzudämmen. Cortison setzt aber leider nur bei der kurzzeitigen Beseitigung der Symptome an, nie kurativ an den Ursachen von Allergien.

Ansonsten muss man, ähnlich wie beim Menschen, versuchen, die Allergene, soweit möglich, zu meiden, z.B. durch eine entsprechende Diät bei Futterallergien oder Bedampfen/Anfeuchten des Raufutters bei Reaktionen auf Hefe- und Schimmelpilze sowie Staub. Man kann außerdem, ähnlich wie beim Menschen, versuchen, den Körper gegenüber den die Allergie auslösenden Stoffen zu desensibilisieren, das sind beim Ekzemer meist der Speichel der Kriebelmücke, beim Lungenallergiker in der Regel Staub, Pollen oder Schimmelpilze aus dem Raufutter/Stroh, manchmal auch bestimmte Gräser.

Generell sollte eine Haltungsverbesserung angestrebt werden. Ein lungenkrankes Pferd sollte in eine Aussenbox umziehen und evtl. mit Kleinballenheulage gefüttert werden. In einem Offenstall ist das nicht möglich. Ein Ekzemer sollte eventuell auch im Sommer Zugang zu einer Box haben. Dort ist Schatten und die Insektenkontrolle gestaltet sich deutlich einfacher als auf der Weide.

Auch dieser Therapieversuch setzt nicht an den Ursachen für Allergien an, ist aber durchaus ein Versuch, etwas Erleichterung für das Pferd und den Besitzer zu schaffen. Auch Eigenblutbehandlungen zeigen manchmal einen gewissen temporären Erfolg.

Das Wasserzeichen unseres HBD Vital Logos

Der Darm als Schlüssel zum Immunsystem und Ursache für Allergien

Wie entsteht die Bereitschaft des Immunsystems im Organismus allergisch auf eigentlich normale Stoffe aus der Umwelt zu reagieren? 

Leider gibt es im Pferdebereich viel zu wenig Grundlagenforschung (zu teuer) und wenn, dann nur solche, die von der Industrie finanziert wird und die letztlich immer in verkäufliche Produkte/ Behandlungen münden muss.

Viele Menschen in unserem Land haben in den letzten Jahren fasziniert den Bestseller von Giulia Enders „Darm mit Charme“ gelesen. Dieses Buch informiert den Leser auf charmante Art, sehr aufschlussreich zum Thema Darmgesundheit beim Menschen. Die Informationen in diesem Buch lassen sich in weiten Teilen auch auf unsere Pferde übertragen, sie schärfen vor allem das Bewusstsein für die immense Bedeutung dieses größten sensorischen Organs im Körper für die Gesundheit des gesamten Organismus.

Der Darm ist, sowohl beim Menschen als auch beim Pferd, neben der Leber das zentrale Organ im Stoffwechsel sowie die Zentrale des Immunsystems (80 % aller Immunzellen siedeln im Dickdarmmikrobiom) und ist ganz sicher sehr viel mehr als nur ein großer Schlauch, der zuständig ist für die Aufnahme von Nährstoffen und die Abgabe von Abfallstoffen. Er verfügt zum Beispiel über ein Nervengeflecht, das in seiner Dichte, Größe und Bedeutung dem des Gehirns nahekommt. Man spricht daher auch vom Darmhirn und vom Darmgedächtnis. Diese überaus dichten Nervenverbindungen wären niemals notwendig allein für die Funktion des Darmes als reines Ausscheidungsorgan bzw. Aufnahmeorgan für Nahrungsbestandteile.

Wir beginnen gerade erst zu verstehen, welche immense Bedeutung der Darm für den gesamten Organismus und dessen Gesundheit darstellt. Beim Pferd gibt es nahezu keine Forschung, deshalb gibt es auch kaum Hilfe seitens der Kliniken und Tierärzte, da nichts dazu gelehrt wird in der Tierärzteausbildung.

Die Nervenenden des Darmhirns reichen z.B. weit in die Muskulatur, oftmals lassen sich ständig wiederkehrende Rücken- oder Beckenprobleme ursächlich auf Darm-/Verdauungsprobleme zurückführen. Auch Erkrankungen wie Shivering/Headshaking haben hier ihre Ursache.

Chronische Schmerzen irgendwo im Körper, chronischer Juckreiz sowie Nervosität, Übersprungshandlungen und Hysterie können ebenfalls vorkommen. Der Darm ist außerdem der zentrale Ort des Stoffübertritts von Nährstoffen, aber auch von Giftstoffen im Futter/Wasser in den Körper. Diese Aufnahme von Substanzen findet auf der gigantischen Fläche der Darmschleimhäute statt, ebenso der Abtransport von Abfallprodukten aus den verschiedenen Stoffwechselfunktionen des Körpers und seiner Zellen.

Wechselwirkung zwischen Darm und Immunsystem

Mittlerweile weiß man, dass sich 80 % aller Immunzellen des Körpers in den Darmschleimhäuten befinden, unter anderem, um dort engmaschig zu kontrollieren, welche Substanzen in den Körper gelangen dürfen und welche im Darm verbleiben und der Ausscheidung zugeführt werden. Diese Immunzellen stehen natürlich auch in ständigem Austausch mit dem restlichen Immunsystem des Körpers, das sich auch in anderen Häuten/Schleimhäuten/Körperoberflächen des Organismus konzentriert.

Außerdem ist die Darmschleimhaut direkt assoziiert mit den anderen Häuten/Schleimhäuten und schon allein aufgrund ihrer schieren Größe von zentraler Bedeutung auch für andere Flächen im Körper. Belastungen im Darm können nicht nur über eine mögliche Stoffaufnahme in den Körper Auswirkungen auf alle anderen Körperbereiche haben, sondern auch über die miteinander kommunizierenden Immunzellen. Wenn der Darm beispielsweise verklebt und verschmutzt ist, z.B. durch eine längerfristig unsachgemäße Fütterung, muss das Immunsystem permanent gegen dieses Verschmutzungen angehen. Auf Dauer kann diese Belastung zu Überreaktionen des Immunsystems des Darmes führen und somit auch zu Überreaktionen von Immunzellen in anderen Körperregionen, meist in den Körperoberflächen, also der Außenhaut, der Bronchialschleimhaut oder der Nasenschleimhaut - nicht nur lokal im Darm. Diese Verklebungen und Verschmutzungen entstehen durch z.B. eine Fehlernährung des Pferdes mit zu viel Getreidestärke/Klebereiweiß (z.B. aus Weizen- und Dinkelanteilen im Futter), zu viel Zucker/Melasse und sehr oft im Fertigfutter befindlichen synthetischen Stoffen, wie künstliche Farb-, Duft, Geschmacks- und Konservierungsstoffe.

Bei der Verdauung all dieser Stoffe entsteht u.a. eine Vielzahl von freien Radikalen, die Reizungen und später Entzündungen an den Darmschleimhäuten hervorrufen können. Auch ein fehlbesiedeltes Mikrobiom im Dickdarm führt immer zu einer kontinuierlichen Überproduktion von Giftstoffen im Dickdarm. (Man nennt das Silent Inflammation.) Siehe nä. Abschnitt. Diese dadurch verursachten Entzündungen können zu dauerhaft überreagierenden Immunzellen in den Darmschleimhäuten führen. In der Folge kann auch Heustaub oder Kriebelmückenspeichel zu Überreaktionen, auch ganz anderen Körperoberflächen führen. Z.B. der Außenhaut oder der Bronchialschleimhaut.

Die Allergie ist im Entstehen.

Ursachen und Folgen einer gestörten Darmflora

In hohem Maße mitverantwortlich für eine Überreaktion des Immunsystems kann auch eine Fehlbesiedelung der Darmflora sein, also das Vorhandensein von (potentiell) pathogenen Keimen in relevanten Mengen im Darm.  

Eine solche Dysbiose (also ein mengenmäßiges Missverhältnis von gesunden zu krankmachenden Keimen im Darm) kann auf unterschiedliche Art und Weise entstehen. Zum Beispiel durch eine oder mehrere vorangegangene Antibiotikabehandlungen, dies kann auch viele Monate/Jahre zurückliegen. Dann kann u.U. eine mehr oder weniger massive Pilzbesiedelung der Darmflora entstehen. Aber auch eine Magenschleimhautproblematik kann der Auslöser sein für Milieuveränderungen im Dickdarm (es wird saurer), dann werden es säureliebende Pilze oder Bakterien sein, die sich dort im Übermaß ansiedeln. Zu viel Getreidestärke und Zucker, in zu viel Kraftfutter, kann ebenfalls zu einer Übersäuerung des Magens/Darmes mit der möglichen Folge einer Dysbiose führen. Heumangel oder wiederkehrend, zu lange, erzwungene Fresspausen (alles über 2h ist sicher problematisch).

Allen Fällen gemeinsam ist es, dass neben den Problemkeimen zu wenige normale, gesunde Darmbakterien in der Darmflora siedeln, so dass es zu Problemen bei der Verdauung kommen kann. Dann kann die Verdauung nicht einwandfrei von statten gehen, da der Futterbrei nicht vollständig verdaut werden kann. Es kommt häufig zu Fehlgärungen des Futters (dabei entsteht Säure) und/oder zu Fäulnisprozessen (dabei entsteht Ammoniak). Durch die Säure werden die Darmschleimhäute mehr oder weniger großflächig gereizt, später kommen Entzündungen hinzu. Durch Ammoniak werden die Schleimhäute gereizt, aber auch die Leber und der gesamte Stoffwechsel belastet, da solche Substanzen nicht nur im Darm verbleiben, sondern durch die Darmschleimhäute resorbiert und mit dem Blut zur Entgiftungsstation Nr. 1, der Leber, transportiert werden.

Auch ist es mitunter möglich, dass die Keime, die im Darm in diesen Mengen oder überhaupt nicht natürlicherweise vertreten sind, Stoffwechselprodukte herstellen, die giftig sind für das Pferd. Man denke hier z.B. an Schimmelpilze, verabreicht mit qualitativ minderwertigem Raufutter, die im Darm siedeln und Mycotoxine, also Schimmelpilzgifte produzieren können. Das Pferd hat dann eine massive Giftfabrik im Darm, deren Toxine das ganze Pferd überschwemmen können. Solche Pferde haben in der Regel ausgeprägte gesundheitliche Probleme, sind meist schlapp, haben sehr schlechte, trotz aller Gegenmaßnahmen auch dauerhaft oder wiederkehrend (sehr) schlechte Leberwerte, hohe Entzündungswerte, oft auch diverse Darm-/Lungen- und Hautkrankheiten. In aller Regel ist auch die Futterverwertung nicht optimal, die Pferde sind in aller Regel schmal mit schlechter Bemuskelung und nehmen auch kaum bis nicht zu. Oft liegen zusätzlich Futtermittelunverträglichkeiten vor, da ein Pferd mit einer Dysbiose viele Futterbestandteile nicht mehr wirklich verdauen kann, was dann wiederum die Menge an Fäulnisprozessen im Darm erhöht mit allen oben erwähnten Folgen.  Oder die Pferde sind unverhältnismäßig “dick”. Aufgeschwemmt trifft es besser. Die Toxinflut aus dem Darm überschwemmt kontinuierlich der ganzen Körper. Die Leber hat nur eingeschränkte Möglichkeiten, diese Gifte zeitnah auszuscheiden. Wenn die Gifte eingelagert werden müssen, geht das Pferd auseinander wie ein Hefeteig auf der Küchenarbeitsplatte. Leider haben solche Pferde oft auch veränderte Blutwerte, die der Tierarzt einstuft als EMS. Wenn dem Pferd als Folge dann das Raufutter eingeschränkt wird, wird das Problem sicher noch größer, da sich gesunde Darmkeime von Rohfaser ernähen. Wenn man also das Raufutter einschränkt, wird deren Zahl weiter zurückgehen und die Zahl der Schadkeime noch größer werden.

Pferde mit einer Dysbiose können auch mit Vitaminen unterversorgt sein, diese werden normalerweise weitgehend von einer gesunden Dickdarmflora produziert. Ist diese gestört, wird auch die Vitaminsynthese verringert sein.

Die Bedeutung einer gezielten Darmsanierung bei Allergien

Eine sehr effektive Möglichkeit, diese Folgeerkrankungen ursächlich in den Griff zu bekommen, kann eine Darmsanierung sein, d.h. die Darmflora wieder zu normalisieren. Das ist nicht immer einfach, manchmal sogar sehr schwierig, je nachdem, welche Keime die Darmflora besiedeln. Manchmal braucht man auch mehrere Anläufe mit verschiedenen Vorgehensweisen, um das Problem zu beheben.

Immer wesentlich ist es als Grundlage, das Futter umzustellen. Es ist immens wichtig, sowohl gänzlich auf Getreidestärke als auch auf jegliche zugesetzten Zucker zu verzichten, also auf alle Getreide außer Reis (z.B. HBD‘s® RiceVital), auf Melasse und weitestgehend auch auf andere Zuckerquellen wie z. B. Karotten und Rote Beete. Dies ist der erste entscheidende Schritt, um die Vermehrungsraten der Problemkeime einzudämmen, da diese sich von Zucker und Getreidestärke ernähren.

Um diese Problemkeime gänzlich zu eliminieren, gibt es nur wenige Möglichkeiten, die individuell mit dem Pferdebesitzer erörtert werden sollten. Wenig hilfreich ist der Einsatz von Lebendbakterien (Lebendhefen), um die Anzahl der gesunden Darmkeime zu erhöhen. Das ist lediglich als flankierende Maßnahme zu sehen, da damit die Problemkeime nicht verschwinden.

Ideal wäre der Einsatz von HBD‘s® DigestoVit®, da dieses Nutrazeutikum zuverlässig und selektiv Problemkeime aus der Darmflora entfernen kann. Nach der Reduktion von Schadkeimen aus dem Mikrobiom, muss die gesunden Darmkeime wieder vermehrt warden. Das kann geschehen über Prebiotikagaben wie HBD’s® DigestoCure. Allerdings sollte der genaue Zustand des Mikrobioms im Labor getestet werden. Auch zertifizierte Labore, die gezielt mit Darmflorascreenings werben, machen meist keine umfassenden Untersuchungen. Lassen Sie sich bei der Auswahl eines guten Labors von mir beraten.

Beim Allergiker kann es zusätzlich hilfreich sein, statt Cortison im akuten Schub, eine Autonosode zu geben. Diese Homöopatika, werden aus körpereigenem Material des kranken Organismus (Kot/Urin oder Blut) hergestellt. Es gibt einige Labore in Deutschland, die diese Möglichkeit anbieten. Diese Autonosoden können schnell und nebenwirkungsfrei den akuten allergischen Schub eindämmen.  

Auch der Einsatz einer Kotspende (Lebendkot) kann sinnvoll sein. Gerne helfen wir Ihnen hier weiter. HBD hat seit dem Jahr 2015 sehr vielen Pferden und Hunden mit einer Kottransplatation helfen können. Wir haben sehr viel Erfahrung, bilden Tierärzte aus und schulen Klinikpersonal. Auch verfügen wir über passende Spenderpferde und einen Spenderhund sowie 2 Spenderkatzen, die regelmäßig im Labor untersucht werden.

Eine Darmsanierung ist immer eine längerfristige Angelegenheit, die mitunter 6-12 Monate in Anspruch nehmen kann. Sie ist immer individuell auf das jeweilige Pferd abzustimmen, aber das Pferd muss immer bereits nach ca. 4 Wochen deutlich besser sein, sonst muss man eine andere Strategie wählen.Darüber hinaus ist es fast immer zusätzlich notwendig, die vom Darm in den Organismus gelangten und dort abgelagerten Giftstoffe auszuleiten. Auch dies ist je nach Fall unterschiedlich zu handhaben. Bitte lassen Sie sich von mir beraten und bei einer Darmsanierung fachlich begleiten.

Herzlichst

Ihre Anja Beifuss 
Dipl.-Ing. (FH)

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