EOTRH beim Pferd
Ein immer häufigeres Phänomen
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Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis, EOTRH, ist eine chronisch entzündliche Erkrankung des Zahnhalteapparates und des Zahnfleisches.
In der Folge beginnen sich die Zähne einerseits aufzulösen (Zahnbein Dentin wird abgebaut), gleichzeitig gibt es vermehrte Zementzubildungen an den betroffenen Zähnen, genauer, an deren Zahnwurzeln. Dadurch entstehen unförmige Zubildungen und Auftreibungen, mit denen der Körper versucht, der Dentinauflösung entgegenzusteuern. Zusätzlich ist das Zahnfleisch chronisch entzündet und zieht sich immer weiter zurück, so dass sich die Zähne allmählich lockern.
In der Regel sind ältere Pferde ab 15 Jahren betroffen, die Erkrankung ist fortschreitend, nach und nach müssen alle Schneidezähne gezogen werden. Leider leiden immer mehr Pferde daran, die Tiermedizin hat weder eine aufhaltende noch ursächliche Therapie anzubieten.
Ursachen und Auslöser: Nährstoffmangel und gestörtes Mikrobiom
Es ist bis heute unklar, was genau die Auslöser für diese Erkrankung sind.
Unstrittig ist allerdings, dass immer Nährstoffmängel bei den betroffenen Pferden und diese meist schon lange bestehen. Beim Abfragen der gesundheitlichen Historie des Pferdes sowie der Fütterungsvorgeschichte fällt regelmäßig auf, dass keine adäquaten Komplettmineralfutter in bioverfügbarer Form, also als organisch gebundene Mineralstoffverbindungen und entsprechend notwendigen Mengen gefüttert wurden und werden.
Diese Pferde müssen angesichts an Mineralien verarmter Böden und der langjährigen Fütterung von mineralisiertem Kraftfutter oder einfacher Mineralfutter einen Nährstoffmangel verwalten. Diese genannten Futtermittel enthalten immer nur anorganische Salze, von denen kaum eine mineralisierende Wirkung ausgehen kann, da diese nur schlecht bis kaum vom Körper resorbiert werden können. Bei bestehendem Nährstoff-/ Mineralstoffmangel, kann der Körper nur noch überlebensnotwendige Systeme beliefern, nachrangige Abnehmer wie Zähne, Knochen, Haut, Haare und Hufe können nur noch untergeordnet versorgt werden.
Leider sieht man diesen Mangel oft nicht im Blutbild, da hier nur Werte im Serum erhoben werden. Entscheidend für die Versorgung des Körpers an Mineralstoffen sind aber die Gewebespeicherwerte. Diese werden aber in der Regel nicht erhoben. Solange in diesen Speichern noch irgendetwas erhalten ist, wird der Körper dies ins Serum schieben, um die Versorgung der Zellen aufrecht zu erhalten. Mangel für den Körper beginnt aber bereits bei nur minimaler Leerung der Gewebespeicher.
Pferde, die EOTRH bekommen, haben immer eine entsprechende Historie und sind in der Regel mit weiteren gesundheitlichen Problemen zusätzlich belastet. Z.B. Fell- und / oder Hufprobleme, Cushing oder Pseudo-Cushing, Allergien und schlechte Leberwerte sowie problematische Muskulatur.
All dies sind Erkrankungen / Anzeichen, die eine entzündliche Komponente beinhalten. Es bestehen also nahezu immer weitere Erkrankungen, deren Ursachen der EOTRH gleichen: Vitalstoffmangel und ein verändertes Mikrobiom im Dickdarm.
Therapie, Darmgesundheit und Prophylaxe bei EOTRH
Es gibt im Laufe eines Pferde-Lebens vielfache Möglichkeiten, ein Dickdarmmikrobiom zu schädigen:
- Massiver Stress durch das Absetzen, das Aufstallen, Anreiten, Stallwechsel, Boxenhaltung ohne nennenswerte freie Bewegungsmöglichkeiten, Unter- oder Überforderung, Turnier, etc.. Stress durch unpassend zusammengesetzte Herden, zu wenig Platz im Offenstall, u.V. m., kann zu extremen Mengen an Magensäure führen, die letztlich den ph-Wert im Dickdarm verändern und damit die Lebensbedingungen für gesunde Darmkeime verschlechtern.
- Medikamente wie Antibiotika -zu wenig/ qualitativ fragwürdiges Raufutter -zu viel Getreide/ Zucker in der Ration -Medikamente wie Entzündungshemmer, Sedationen, Wurmkuren, können negativen Einfluss auf die Mikrobiomgesundheit haben.
- Behandlungen wg. Magengeschwüren mit Omeprazol führen zu einem basischen ph-Wert im Dickdarm, was gesunde Darmkeime nur bedingt tolerieren.
Das Dickdarmmikrobiom wird im Laufe des Lebens allmählich verändert. Es siedeln zunehmend Fremdkeime im Dickdarm in ungesund hohen Mengen und/ oder das Eigenmikrobiom wird reduziert, es fehlen also gesunde Darmkeime. Das nennt man Dysbiose.
Das hat gravierende Konsequenzen für den ganzen Körper:
Erstens wird die Immunleistung des Pferdes, also dessen Abwehr zunehmend schlechter werden. Das gesunde Dickdarmmikrobiom bildet die Immunzentrale des Pferdes! Rund 80 % aller Immunzellen befinden sich im Dickdarm. Je zahlreicher und artenreicher das Mikrobiom ist, umso besser. Wenn gesunde Darmkeime in Ihrer Anzahl oder Artenvielfalt beeinträchtigt werden, kann dadurch automatisch die Abwehrfähigkeit des ganzen Pferdes schlechter werden.
Zweitens wird die Verdauung nicht mehr reibungslos und rückstandsarm ablaufen können, da die Anzahl und Vielfalt der gesunden Darmkeime reduziert ist. Ein fehlbesiedeltes Dickdarmmikrobiom hat immer zur Folge, dass zu viele Abfall-/ Giftstoffe permanent bei der Verdauung produziert werden. Diese Giftstoffe reizen kontinuierlich die Schleimhäute und lösen dadurch eine erhöhte Entzündlichkeit im ganzen Körper in allen Geweben aus. Man nennt das „Silent Inflammation“.
Auf diesem Wege kann die Entzündlichkeit der Zahntaschen und des Zahnfleisches konsequent und ständig getriggert werden.
Das Zähne ziehen bei EOTRH ist die Endlösung beim Pferd. Man sollte nach Möglichkeit deutlich früher eingreifen und den Darm sanieren. Dies kann eine gute Chance bieten, diese Erkrankung positiv zu beeinflussen.
Eine Darmsanierung ist immer individuell auf die Art der Dysbiose, die vorliegt, anzupassen. Es sollte mittlerweile zu einem ganz normalen Management eines Pferdes gehören, regelmäßig das Darmmikrobiom zu pflegen, um den ganzen Körper gesund und leistungsfähig zu halten.
Mindestens aber dann, wenn Stressphasen für das Pferd anstehen oder Medikamente gegeben werden müssen. Prophylaxe ist natürlich die beste Wahl. Krankheitsneigung positiv zu beeinflussen über Stärkung der Immunkompetenz und Reduktion von Entzündungsneigung macht auch im Hinblick auf stark gestiegene Tierarztkosten Sinn.
Beim Menschen weiß man inzwischen gesichert durch unzählige Forschungsarbeiten, dass mind. 85 % aller Erkrankungen, an denen der Mensch leiden kann, aus einer Dysbiose heraus entstehen können.
Am Anfang steht als Ursache also fast immer das veränderte Mikrobiom. Beim Pferd gibt es leider praktisch keine Forschung, da HBD Vital® aber seit 20 Jahren Erfahrung mit oft komplizierten Darmsanierungen/ Kottransplantationen beim Pferd hat, kann man sicher sagen, die Unterschiede Mensch/Pferd sind bezogen auf die Konsequenzen für den Körper bei einer Dysbiose ziemlich gering.
Generelle Prophylaxeempfehlung:
- Immer als Basis zum Raufutter eine sehr gutes Komplettmineralfutter wie z.B. HorseMineral MBA-frei als Vitalstoffbooster
- Bei Stressphasen BasoHealth mind. für Dauer des Stressors
- Bei zu wenig/ zu schlechtem Raufutter Stallwechsel. Alternativ SeniorHeu oder StrukturVit als zusätzliches Raufutter, Mytox und BasoHealth, evtl. auch DigestoVit® für mind. 2-3 Monate nach schlechtem Raufutter, dazu immer getreidefreie Fütterung ohne Zuckerzusätze und ohne Kräuter
- Bei Gabe von Antibiotika DigestoVit® für mind. 6-8 Wochen, dazu immer getreidefreie Fütterung ohne Zuckerzusätze und Kräuter
- Bei Gabe von anderen Medikamenten Mytox bei Wurmkuren, ansonsten zusätzlich noch DigestoVit®, Fütterung siehe oben
Empfehlung bei Erkrankung:
Immer getreidefreie Fütterung ohne Zuckerzusätze und Kräuter, zB. EquiDietic mit Schleimschutz, dazu HorseMineral MBA-frei, DigestoVit®, BasoHealth für mind. 3 Monate, zusätzlich DigestoPhlog für mind. 8 Wochen.
Idealerweise lassen Sie sich bei uns beraten und eine Kotprobe über die von uns empfohlenen Labore machen (Mikrobiologie vom Kot), um zu klären und zu besprechen, wie das Mikrobiom verändert ist, und was man für mehr Mikrobiompflege tun kann.
Lassen Sie sich von uns helfen und begleiten.
Herzlichst
Ihre Anja Beifuss
Dipl. -Ing. (FH)