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Übersäuerung beim Pferd


Ein unterschätztes Problem!

Anja Beifuss
Anja Beifuss Gesundheitscoach bei HBD Vital®
· 6 Min. Lesedauer
Braunes Pferd mit weißer Blesse steht auf einer sommerlichen Weide mit hohen Gräsern und einem Zaun im Hintergrund

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Übersäuerung ist ein heute häufig benutzter Begriff, der vielfach pauschal und unreflektiert benutzt wird. Was genau verbirgt sich dahiner? 

Übersäuerung entsteht, wenn zu viele, im Körper sauer wirkende Stoffe aufgenommen oder im Körper gebildet werden, die nach und nach die körpereigenen Puffersysteme, die diesen Substanzen entgegenwirken, überlasten. Die körpereigenen Puffer werden über einen längeren Zeitraum erschöpft, die sauren Stoffwechselprodukte können nicht adäquat neutralisiert und ausgeschieden werden. Der Organismus sammelt diese sauren Abfälle notgedrungen an und lagert diese vorzugsweise im Bindegewebe ein. Das Bindegewebe (oder der Zwischenzellraum) wird durch diese Schlacken dauerhaft verstopft, ein gesunder „Stoffwechsel“ kann in diesem Gewebe nicht mehr stattfinden. 

Die Folge ist, dass das Tier unklare Beschwerden entwickelt. 

Dies können sein, celluliteartige Veränderungen des Bindegewebes an Hals, Schulter und Kruppe, die fälschlicherweise als EMS gedeutet werden. Das Pferd kann chronische Leber- und Nierenprobleme entwickeln, weil die Entgiftung stark eingeschränkt ist. In der Folge sieht man hier auch oft einen chronischen Zinkmangel, da die Leber Zink bei der verstärkten Entgiftung vermehrt verbraucht. Auch sind depressive Phasen vielfach bei übersäuerten Tieren zu beobachten. Diese fühlen sich offenbar dauerhaft unwohl.

Die Entstehung von Cushing wird immer mehr mit Übersäuerung und Verschlackung in Verbindung gebracht. Haarausfall und chronische Haut- und Fellprobleme wie Mauke, Raspe und Ekzem bedingen immer eine Übersäuerung des Gewebes. Bereits 1931 erhielt der deutsche Otto Warburg den Medizinnobelpreis für seine bahnbrechende Arbeit über den Säure-Basenhaushalt im menschlichen Körper. 

Seine Kernaussage lautete: Alle Krankheiten, auch schwerwiegende wie Krebs, können sich nur und ausschließlich im sauren Milieu entwickeln! Dies gilt gleichermaßen für unsere Tiere!

Ursachen für Übersäuerung beim Pferd: Bewegung, Fütterung und Darm

Was aber sind die Gründe, dass unsere Pferde zunehmend verschlackt und übersäuert sind? 

Eigentlich gibt es nur zwei Gründe:

  1. Zu wenig Arbeit/Training bzw. Bewegung
  2. Falsche Fütterung
  3. Ein fehlbesiedeltes Dickdarmmikrobiom
Das Wasserzeichen unseres HBD Vital Logos

Bewegung und Training: entscheidend für einen gesunden Stoffwechsel

Zu 1.) Alle unsere Pferde, ganz unabhängig von der Rasse und Nutzung, sind genetisch reine Lauf- und Herdentiere, die sich viele Stunden am Tag in der Gruppe auf Futtersuche bewegen. Es reicht für diese Organismen niemals aus, diese ohne relevantes Training im z.B. Offenstall zu halten (obwohl solche Haltungsformen einer Boxenhaltung immer vorzuziehen sind), da hier in aller Regel kein wirklicher Bewegungsreiz gegeben ist. 

Pferde brauchen freie Bewegung, Beschäftigung, Gesellschaft und Arbeit und das täglich und ständig. Reiten und belasten Sie Ihre Pferde täglich mindestens eine Stunde. Eine Stunde, besser mehr. Nutzen Sie zusätzlich Angebote wie Paddocks, Laufband und Führmaschine. Je mehr und öfter am Tag Ihr Pferd die Chance auf intensive, vor allem freie Bewegung hat, umso besser für die Gesund¬heit und die Psyche. Kein Körpersystem wird durch Schonung und Nichtnutzen belastbarer! 

Durch Arbeit und regelmäßiges Training wird der Körper besser durchblutet und mit Sauerstoff versorgt, was einer Verschlackung und nachfolgend Übersäuerung intensiv entgegenwirkt.

Fütterung und Mikrobiom: zentrale Stellschrauben für den Säure-Basen-Haushalt

Zu 2.) Leider macht es die Industrie allzu leicht, von den wesentlichen Bedürfnissen unserer Pferde abzulenken. Leckerei und Futter statt Arbeit und Beschäftigung. Neue Bedürfnisse werden erfunden (Das Pferd braucht angeblich im Winter täglich etwas Warmes…etc.), um neue, in der Regel unnötige, manchmal schädliche Produkte in riesigen Mengen abzusetzen. Man redet uns Pferdebesitzern aktuell ein, es gäbe Unterschiede in der Bedarfsermittlung bei unterschiedlichen Pferderassen. Das ist unserer Ansicht nach eine Fehlinformation!! 

Alle Pferde sind genetisch Urtiere, die seit rund 60 Millionen Jahren unseren Planeten bewohnen, der Mensch züchtet und domestiziert das Pferd seit rund 5000 Jahren. Diese sehr kurze Zeitspanne in der Gesamtevolution des Pferdes hat lediglich zur Herausbildung unterschiedlicher Rassen und Einsatzmöglichkeiten geführt, keinesfalls zu einer Veränderung der Genetik hinsichtlich Bewegungs- und Ernährungsanspruch. 

 Das Pferd ist ein reines Lauftier, ein Dauer-Rohfaserfresser und ganz sicher kein Zucker- oder Getreidefresser, unabhängig von irgendwelchen Rassen. Pferde vertragen ganz allgemein Getreidestärke und Zucker nur sehr schlecht. Da aber diese heute im Pferdefutter omnipräsenten Futter-Inhaltsstoffe auf dem natürlichen Speiseplan unserer Urpferde kaum vorkamen, das Pferd also auch keine Notwendigkeit sah, Verdauungswerkzeuge hierfür zu entwickeln, können Stärke und Zucker kaum gesund verwertet werden. 

Das Unvermögen, Zucker und Stärke in größeren Mengen zu verdauen, hängt in erster Linie aber nicht an der Rasse, sondern an der Fähigkeit, stärke- und zuckerspaltende Enzyme (Amylasen) in relevanter Menge im Dünndarm zu bilden. Generell kann man sagen, dass Pferde, die deutlich im Naturrassetyp stehen, davon erheblich weniger bilden, als höher im Blut stehende Pferde. Daher kommen Naturrassevertreter mit viel Stärke und Zucker kaum zurecht, übersäuern und werden krank. 

Auch ist unser heutiges Hauspferd (egal welcher Rasse) immer noch ein Hochleistungsorganismus, der mit wenig Futter (außer Raufutter) gut zurechtkommt. Unsere Pferde brauchen keine und wenn nur einfache Kraftfutter, am besten getreidestärkefrei und ohne Zuckerzusätze. Wenn solche Pferde mit relevanten Mengen Kraftfutter gefüttert werden, macht sie das sicher mittel- bis langfristig stoffwechselkrank. Vor allem wenn dieser Fütterung keine adäquate Arbeitsbelastung entgegensteht. 

Auch bei diesem Trend setzt die Industrie inzwischen neue Maßstäbe. Es gibt inzwischen unzählige Futtermittel ohne Getreide, es gibt unzählige Mashsorten und noch mehr Kräutermischungen, die am besten ständig und viel gefüttert werden sollten. Der normale Pferdehalter hat längst den Überblick verloren. 

Unsere Pferde sind mehrheitlich extrem genügsam, halten Sie die Fütterung daher eher einfach. Sparen Sie nie an sehr gutem Raufutter, setzten Sie hier Ihren Fokus, holen Sie sich notfalls das Heu aus anderen Regionen. Geben Sie nur beste Qualität und davon viel. 

 Heu wirkt basisch, also der Übersäuerung entgegen!!!

Geben Sie ein gutes, synthetikafreies Mineralfutter, das außerdem ohne Getreide und Zuckerzusätze sein sollte. Mineralfuttergaben machen nur Sinn, wenn diese auch im Körper aufgenommen werden können, geben Sie daher ausschließlich organisch gebundene Mineralstoffmischungen z. B. HorseMineral MBA-frei. Wenn Ihr Pferd hoffentlich genügend arbeiten darf, können Sie bedenkenlos auch Kraftfutter geben, Hafer in geringen Mengen und/oder ein getreidefreies Energiefutter wie z. B. Vitalo. Mehr braucht Ihr Pferd tatsächlich nicht! 

Kräuter- oder andere Kuren (kurzzeitig) machen nur Sinn, wenn das Pferd erkrankt ist, sonst nicht. Wenn Sie das Pferd effektiv entsäuern möchten, bewegen Sie es mehr und füttern Sie deutlich weniger, aber qualitätvoll. Auch kann man begleitend ein Produkt geben wie BasoHealth. Weniger ist mehr in Sachen füttern. Außerdem kann man auch sehr effektiv ein beginnendes Bewegungsprogramm unterstützen durch eine vier- bis maximal sechswöchige Basensalzkur. Hierzu der Hinweis auf ein altbewährtes Hausmittel. Gehen Sie in den Supermarkt und kaufen sich im Backregal Kaisernatron. Geben Sie davon ca. 10 g je 100 kg Körpergewicht und Tag in 2 Gaben. Das wirkt ganz wunderbar. Geben Sie doch einfach mehr Geld an anderer Stelle aus, als für überteuertes Industriefutter, z. B. für guten Reitunterricht, einen guten Bereiter oder einen schönen Lehrgang. Ihr Pferd wird es Ihnen mit mehr Gesundheit und Freude an der Arbeit danken.

Das Darmmikrobiom als zusätzlicher Faktor bei Übersäuerung

Zu 3.) Ein verändertes Dickdarmmikrobiom haben heutzutage fast alle Pferde, bedingt durch Stress, zu wenig oder schlechtes Raufutter und Medikamente. Dadurch werden permanent zu viele, meist saure Giftstoffe im Dickdarm gebildet, die natürlich auch teilweise ins Körperinnere gelangen, z.B. durch ein Leaky Gut. 

Diesen sauren, permanenten Tsunami an Giftstoffen wird der Organismus nur bedingt verarbeiten und ausscheiden können, so dass es auch hier zu Ablagerungen im Körper und zu großflächiger Übersäuerung kommen wird. Solche Pferde müssen zusätzlich zu den oben genannten, sinnvollen Maßnahmen unbedingt im Dickdarm saniert werden. 

Beginnen Sie immer mit Getreide-, Zucker- und kräuterfreien Kraftfuttermitteln. Zusätzlich DigestoVit und BasoHealth. Mindestens für 3 Monate, besser länger. 

Gerne können Sie sich auch direkt von mir beraten lassen.

Herzlichst

Ihre Anja Beifuss 
Dipl.-Ing. (FH)

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