EMS beim Pferd
Dick ist nicht gleich dick!
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Vor allem bei Futterwechsel fällt bei vielen Pferden ins Auge, dass diese immer dicker werden. Besonders im Frühjahr/ Frühsommer, wenn die Pferde ausgeweidet werden, scheinen diese regelrecht zu explodieren. Aber ebenso im Herbst, wenn das neue, gehaltvollere Heu gefüttert wird, erscheinen viele Pferde rapide zuzunehmen. Natürlich ist das bei einer leider stetig steigenden Anzahl Pferde einfach nur Fett, da diese zu viel Futter mit viel zu wenig Arbeit erhalten, also weit über Ihrem Bedarf gefüttert werden. EMS ist irgendwann die logische Konsequenz, wenn dies über einen längeren Zeitraum beibehalten wird. Hier ist der Pferdebesitzer verantwortlich, insbesondere die Arbeitsdauer und – intensität für das Pferd drastisch zu erhöhen, um vorbeugenden Gesundheitsschutz für sein Tier zu betreiben.
Bei sehr vielen Pferden ist das Problem aber wesentlich anders gelagert. Leider ist dieser Unterschied aber auch für die meisten Tierärzte auf den ersten Blick nicht wirklich erkennbar. Man sieht nur ein fassartig verändertes Pferd, dass sofort in die Kategorie „zu fett“ und „EMS-gefährdet“ eingestuft wird. Dieses Schubladendenken ohne differenziertes Nachfragen beim Pferdebesitzer zur Entstehung des Problems führt immer zu einer Diät, leider auch zu einer Heudiät, die bei diesen Pferden, deren Masse nicht Fett ist, fatale Folgen haben wird, wie wir noch sehen werden.
Darmmikrobiom beim Pferd: Warum eine gestörte Darmflora krank und scheinbar "zu dick" macht
Sehr viele Pferde (und auch Menschen) haben ein weitgehend unbemerktes Darmproblem. Wenn irgendwann z. B. im Laufe eines Lebens ein Antibiotikum verabreicht wurde und/oder das Pferd intensive Stressphasen durchlebt hat, hat dies gravierende Auswirkungen auf die Zusammensetzung und Ausprägung des gesunden Darmmikrobioms (die Gesamtheit aller gesunden Darmkeime) im Dickdarm. Siehe auch die Fachartikel von Anja Beifuss: „Hat ein Pferd Magenprobleme, sind Darmprobleme vorprogrammiert“ und „Antibiotikatherapie und was kommt dann?“ Diese finden Sie auf unserer Homepage www.hbd-vital.de.
Diese Veränderungen am Darmmikrobiom sind meist leider auch dauerhaft, wie wir Dank vieler Humanstudien und aus Erfahrungswerten aus fast 20-jähriger Arbeit mit stoffwechselkranken Pferden wissen. Diese etablierten Veränderungen am Darmmikrobiom (Dysbiosen/ Fehlbesiedelungen) können sich im fortgeschrittenen Stadium durch direkte Darmsymptome wie Blähungen, Kotwasser, Durchfall bemerkbar machen, allerdings können die Auswirkungen einer Dysbiose auch ausschließlich nach innen gerichtet sein, ohne direkte Ausprägung von Darmsymptomen. Dann können Allergien auftreten oder chronische Lungenprobleme sowie Mauke, chronische Leberprobleme oder eben die „zu fetten“ Pferde.
Was genau spielt sich hier im Körper des Pferdes ab?
Das gesunde Darmmikrobiom spielt eine zentrale Rolle im Organismus, da es unzählige wesentliche Stoffwechselvorgänge im Körper steuert und sich außerdem 80 % der Immunzellen auf den Darmschleimhäuten im Dickdarm befinden. Die Immunzentrale des Körpers befindet sich also im Dickdarm. Deren Fähigkeit, Krankheitskeime abzuwehren, steht und fällt mit der Gesundheit des Darmmikrobioms.
Das Darmmikrobiom ist dann am gesündesten, wenn die gesunden Darmkeime so zahlreich wie möglich sind und wenn möglichst viele verschiedene Arten Keime im Dickdarm vorhanden sind. Die gesunden Dickdarmkeime beim Pferd ernähren sich ausschließlich von Rohfaser, die hauptsächlich im Raufutter (Heu, Heulage, Stroh) enthalten sind. Je mehr Raufutter gefüttert wird, umso mehr „Futter“ für die gesunden Darmkeime ist vorhanden, umso besser geht es diesen, umso besser können sich diese behaupten und vermehren. Vor diesem Hintergrund sind Heudiäten sehr differenziert zu betrachten!
Stille Entzündung & Leaky-Gut: Wie Darmgifte den Stoffwechsel des Pferdes überlasten
Wenn nun eine Dysbiose vorliegt, bedeutet dies immer auch, dass die Verdauung nicht mehr normal abläuft, da zu wenige gesunde Darmkeime vorhanden sind und stattdessen andere Keime im Darm siedeln. Dies führt immer (!) zu einer vermehrten Produktion von Giftstoffen im Darm. Diese ständig (!) produzierten Giftstoffe reizen die Darmschleimhäute dauerhaft. Aus Reizung kann sich eine Entzündung der Dickdarmschleimhäute entwickelt, die sich aber meist nicht im Blutbild nachweisen lässt, da dort nur Akutgeschehen abbildbar sind.
Stichwort aus der Humanmedizin: „silent inflammation“.
Diese Entzündung kann nach und nach zu einer erhöhten Durchlässigkeit der Schleimhaut führen, in der Humanmedizin bekannt als Leaky Gut-Syndrom.
Diese erhöhte Durchlässigkeit der Darmschleimhäute lässt Giftstoffe und große Eiweißbausteine vermehrt ins Blut wandern, die in dieser Molekülgröße normalerweise im Körper gar nicht vorkommen. Diese großen Eiweiße erkennt das Immunsystem als Fremdeiweiß, dass es zu bekämpfen gilt.
So können Futtermittelunverträglichkeiten entstehen!
Diese Giftmengen, die permanent und weitgehend ungefiltert in das Körperinnere vordringen, überschwemmen den Entgiftungsstoffwechsel und die Leber.
Leberüberlastung und Gewebebübersäuerung beim Pferd
Die Leber ist nur dann in der Lage, gut zu entgiften, wenn genügend Baustoffe wie Zink und B-Vitamine (diese produziert das Pferd normalerweise selbst durch Mikrobentätigkeit im Dickdarm) in der täglichen Ernährung reichlich vorhanden sind. Das bedeutet, ein Pferd, das schlecht mineralisiert ist, kann auch nur unzureichend entgiften. Da die durch den Darm eingetragenen Gifte permanent und in zu großer Menge zur Leber gelangen, ist diese meist nicht in der Lage, diesen Mengen Herr zu werden.
Was der Körper aber nicht ausleiten kann, muss er einlagern. Geeignete Lagerplätze sind z. B die Lymphbahnen, dann kann das dauerhaft dicke Beine, Schlauch- und Bauchödeme geben, die mit einer Herzinsufizienz und Bewegungsmangel nichts zu tun haben müssen. Aber vor allem auch das Bindegewebe, also der Zwischenzellraum, ist ein guter Platz für eine ausgedehnte „Mülldeponie“. Wenn dort Toxine aus dem Darm gelagert werden, erschweren diese den Stoffaustausch für jede einzelne Körperzelle. Der Transport von Nährstoffen aus der Blutkapillare hinaus, durch den Zwischenzellraum, hin zur einzelnen Körperzelle, wird nur eingeschränkt stattfinden können. D.h. die Zellen hungern, obwohl die Fütterung des Pferdes möglicherweise optimal ist. Außerdem kann der Abtransport von (meist sauren) Stoffwechselprodukten aus jeder einzelnen Körperzelle erschwert oder unterbunden sein, je nach „Größe“ der Mülldeponie. Diese sauren Stoffwechselschlacken werden durch die Carbonatspeicher (Basenpulver) im Gewebe zunächst neutralisiert. Wenn diese Speicher aber erschöpft sind, beginnt das Gewebe großflächig zu übersäuern. Dann quillt dieses Gewebe auf wie ein Hefeteig auf der Arbeitsplatte, das Pferd wird immer „dicker“. Besonders bei einem Futterwechsel zu gehaltvollerem Futter (mit mehr Fruktan/Stärke) tritt dieses Problem intensiv zutage.
Jegliche Schadkeime, die im Dickdarm fehlsiedeln können, egal ob dies Pilze oder Bakterien sind, ernähren sich bevorzugt von Stärke und (Pflanzen-)Zucker. Immer wenn dieses Futter-Angebot erhöht wird, z. B. beim Ausweiden im Frühjahr, finden diese Schadkeime extreme Futtermengen im Darm vor und können sich entsprechend stark vermehren und somit den oben beschriebenen Prozess massiv verstärken.
Warum eine Heudiät keine Lösung ist
Wenn dann das Pferd auf eine Heudiät gesetzt wird, erhalten die gesunden Darmkeime des Darmmikrobioms dagegen deutlich weniger „Futter“ in Form von Rohfaser und können sich gegenüber der Schadkeimbesiedelung entsprechend schlecht behaupten.
Gesunde Darmkeime ernähren sich bevorzugt von Rohfaser. Das wird den Vorgang des Aufquellens des Gewebes noch verstärken, obwohl das Pferd auf (Heu) Diät gesetzt wurde. Es kann also, trotz geringerer Futtermengen, noch „dicker“ werden.
Was dem Pferd wirklich hilft: Maßnahmen, Futterumstellung und gezielte Darmsanierung
1. Unterstützung durch Tierarzt und HBD-Vital
Man ist immer gut beraten, sich kompetente Hilfe zu holen. Der Tierarzt sollte immer mit einbezogen werden, aber oft ist das Detailwissen über das Darmmikrobiom bei Tierärzten nicht deren Spezialgebiet. Leider gibt es auch kaum Forschung in diesem Bereich, so dass in der Ausbildung der Tierärzte nichts gelehrt werden kann. Hier kann Ihnen und Ihrem Tierarzt die Firma HBD Vital® zur Seite stehen. Wir befassen uns seit fast 20 Jahren intensiv mit dieser Thematik.
2. Kotprobenanalyse
Sinnvoll ist es sicher, zunächst eine mikrobiologische Kotuntersuchung bei einem kompetenten Labor machen zu lassen. Bitte hier eine gute Wahl treffen, da die meisten Labore nur eine kleine Standarduntersuchung auf einige wenige, gut dokumentierte Schadkeime, wie z. B. Salmonellen und pathogene E.Coli sowie Pilze durchführen. Das ist in der Regel nicht ausreichend, um das tatsächlich bestehende Problem vollumfänglich zu erfassen. Gerne sind wir bei der Auswahl eines passenden Labors behilflich.
3. Fütterung umstellen
Zwingend, um das Problem ursächlich anzugehen, ist es, die Ernährung umzustellen. Die Basis für eine erfolgreiche Darmsanierung ist immer eine Ernährung ohne Getreide, ohne Zuckerzusätze und ohne Kräuter, z.B. HBD’s® Vitalo oder HBD´s® Vitalo TKM, HBD’s®EquiDietic, HBD’s®EquiGlyk. Außerdem sollte ein hochwertiges, hoch bioverfügbares Mineralfutter Bestandteil der Futterration sein, damit der Körper über genügend Baustoffe verfügt, z. B. HBD’s® HorseMineral MBA-frei.
4. individuelle Darmsanierung & Giftstoffe binden
Auf eine solch optimale Ernährung aufsetzend, sollte eine Darmsanierung gemacht werden. Die genaue Vorgehensweise richtet sich nach dem Befund des Labors. Beginnen kann man aber immer mit HBD’s® DigestoVit® oder HBD’s® DigestoVit® Forte. Das kann fast alle Pferde entlasten und dies schnell.
Wichtig zu wissen: bis eine Darmsanierung wirklich erfolgreich sein kann und sich der Körper wieder selbst regulieren kann, können sicher 6 – 12 Monate vergehen, auch wenn das Pferd sehr schnell symptomarm oder symptomfrei ist.
Außerdem sollten die im Darm im Übermaß produzierten Giftstoffe gebunden und ausgeschieden werden, bevor diese die Schleimhäute reizen können und später die Leber überschwemmen. Dies kann z. B. idealerweise für ca. 8 Wochen parallel zu einer ursächlichen Darmsanierung gemacht werden, bis sich die Situation im Darmmikrobiom entschärft hat. Hier hat sich seit vielen Jahren HBD’s® Mytox sehr gut bewährt.
5. Darmschleimhäute schützen
Auch sollte weiterhin ein Mittel gegeben werden, das Schleimhäute im Darm schützen und pflegen kann. Sehr empfehlenswert wäre hier HBD’s® DigestoPhlog für ca. 3 Monate.
6. Entgiftung
Wenn sich die Problematik sichtbar verbessert, sollte außerdem eine Entgiftung durchgeführt werden. Das macht als Erstmaßnahme nur in akuten Fällen Sinn, wenn die Leberwerte sehr schlecht sind. Sonst sollte die Entgiftung erst beginnen, wenn das Darmgeschehen sichtbar (das Pferd baut sichtbar Schlacken ab) besser ist. Dies kann beispielsweise mit HBD’s® HeparMin® geschehen.
7. Begleitung bei Wurmkuren und Antibiotikatherapie
Nicht zu vergessen ist ein entsprechendes Management, wenn Wurmkuren gegeben werden oder wegen einer Verletzung Antibiotika verabreicht werden müssen.
Falls weiterer Beratungsbedarf besteht kontaktieren Sie mich gerne.
Herzlichst
Ihre Anja Beifuss
Dipl. -Ing. (FH)